Autor: Christopher Schlemm
Die Natur als Lernumgebung lässt Kinder ganzheitlich nach dem Pädagogen Johann Pestallozzi (1746-1827) mit „Kopf“, „Herz“ und „Hand“ lernen.
Johann Pestalozzi war ein Schweizer Pädagoge, Schriftsteller und Philantroph, der -von Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) geprägt- für eine Erziehung und Bildung sich
einsetzte, bei der die Welt des Kindes und der Jugendlichen im Mittelpunkt stand. Er legte somit den Grundstein einer ganzheitlichen Pädagogik .
Wie ein Gärtner, der die Entwicklung von Pflanzen behutsam unterstützt,
sollte das Wirken eines Pädagogen in der realen Welt geschehen. Dieser holistische Ansatz liegt
der Naturpädagogik zugrunde: Kinder und Jugendliche werden in ihren kognitiven, emotionalen, und praktischen Fähigkeiten
in der Natur- einer Welt aus vielfältigsten Stimuli- aus ihrem tiefsten Inneren angesprochen und zu eigenen Fragen und Entdeckungsreisen
und Aktivitäten angeregt.
In einer Welt aus Reizüberflutung
Der Mäusebussard (Buteo buteo)
Die Blindschleiche ( Anguis fragilis)
Der gemeine Rosenkäfer ( Cetonia aurata)
So vielfältig wir Menschen sind, so verschieden waren auch die dargebotenen Aktivitäten. Montag und Dienstag wurde musiziert und kreativ gestaltet, Mittwoch vor allem der Biologie Aufmerksamkeit geschenkt und Donnerstag und Freitag der Chemie und Physik gewidmet.
Rituale bieten Orientierung und so beginnt der Morgen mit einem kurzen Morgenkreis, wo wir in Stille auf uns selbst hören.
Die untere Tabelle gruppiert verschiedene Aktivitäten, die in der Natur durchgeführt werden können, nach ihren zugehörigen Fähigkeiten ein.
| Kognitive Aktivitäten (Kopf) | Emotionale Aktivitäten (Herz) | Motorische Aktivitäten (Hand) |
|---|---|---|
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Beispiele aus der Woche
Die Cyanotypie
Die Cyanotypie ist ein fotografisches Verfahren, womit früher Kopien angefertigt wurden, woher der Begriff "Blaupause" abstammt.
Um ein lichtsensitives Fotopapier herzustellen, wird ein saugfähiges Papier( z.B. Aquarellpapier) passend zugeschnitten
und mit einer Lösung aus Ammoniumeisen(III)citrat und Kaliumhexacyanoferrat(III) bestrichen.
Allgemein geht man immer so vor, dass die zwei Substanzen als einzelne Lösung A (50g [NH4]5[Fe(III)(C6H4O7)2]·2H2O auf 0,5L dest. H2O) und
Lösung B (20g K3[Fe(CN)6] auf 0,5 L dest. H2O )angesetzt werden. Erst beim Mischen von gleichen Volumina
beider Lösungen ensteht eine lichtempfindliche Lösung, die auch bei strahlendem Sonnenschein für einige Minuten stabil bleibt.
Die einzelnen Lösungen sind getrennt lange haltbar. Es finden sich im Internet viele Informationen und Materialien- auch für den Schulunterricht ( siehe Quellen).
Leider war der Versuch, mittels einer einfachen Kamera ein Bild durch Cyanotypie abzubilden, noch nicht erfolgreich.
Zum Trocknen aufgehängte Fotografien.
Wir nutzten die Cyanotypie, um zum Beispiel alle Bäume in der Umgebung unseres Camps zu dokumentieren und anhand der Blattform zu bestimmen.
Das Leben am und im Teich
Ausgestattet mit einem Kescher , Probengläsern machten wir uns auf den Weg zum nahe gelegenen Teich, um die Flora und Fauna im Wasser zu untersuchen. Einige mikroskopisch kleine Lebewesen konnten die Kinder nur mit einem Mikroskop untersuchen.
Hier ist eine Kaulquappe im Kescher zu sehen. Natürlich wurde sie anschließend wieder ins Wasser frei gelassen.
Probenentnahme
Das Wasserbiotop ist ein spannendes Gebiet, um vieles über die Biologie im Wasser zu entdecken.
Unser Entdecker-Camp
Verschiedene Dinge zum Entdecken auf dem Gebiet der Optik.
Mit Hilfe eines Mikroskops konnten die Lebewesen im Teich genauer untersucht werden. Hilfreich beim Arbeiten sind kleine Tische. Eine Magnettafel diente als Tafel.
Verschiedene Ballspiele rundeten das Programm ab.
Lern- und Entwicklungsphasen in einem natürlichen Kreislauf
Bei der Durchführung von Aktivitäten eignet sich das Acht-Schilde-Modell, das -angelehnt an das Naturverständnis Indigener Indianerstämme- von Jon Young in den frühen 80igern entwickelt wurde. Lern- und Entwicklungsprozesse werden den Himmelsrichtungen zugeordnet und spiegeln damit die Kreisläufe in der Natur wieder- von Geburt, Entwicklung, hin zum Tod. Es findet vor allem Anwendung in der Naturpädagogik, Persönlichkeitsentwicklung und Gemeinschaftsbildung. Es stellt eine symbolische Landkarte für menschliche Entwicklung und Naturverbundenheit dar.
Das Acht Schilde- Modell
Im Osten: geht die Sonne auf und so beginnt jeder Prozess im Osten- mit einer Inspiration, einer Idee. Wir sind erfüllt von voller Neugier und Aufbruchstimmung.
Südosten: Hieran schließt sich der Prozess des Brainstormings an. Wir sammeln Ideen, fragen uns, welche einzelnen konkreten Handlungsschritte führen- Schritt für Schritt- am Ende zum Ziel?
Dabei achten wir auf die Prioritäten.
Wir überlegen uns, was muss als erstes folgen, und was baut darauf auf?
Teamwork hilft sehr und kann ungeahnte Synergieeffekte erzielen. Wir müssen nicht alles allein schaffen, die Magie liegt in der Kooperation.
Welche Fähigkeiten besitze ich und welche meine Freunde? Wie können wir uns ergänzen? Was fehlt uns noch, um die Idee in die Realität umzusetzen?
In dieser Phase können die Schritte entweder als Bilder dargestellt oder schriftlich festgehalten werden. Das kann alles in einer Tabelle festgehalten werden:
1. Was wird gemacht?
2. Welche Materialien und Werkzeuge werden benötigt?
3. Wer ist für diesen Schritt verantwortlich und bearbeitet die Aufgabe? Oder arbeiten wir gemeinsam daran?
4. Bis wann soll die Aufgabe fertig sein?
im Süden: Ist die Planung beendet, erreichen wir die dritte Phase, die des Erarbeitens mit Fleiß und Konzentration.
Im Südwesten entwickelt sich unsere Arbeit, wo mgölicherweise einzelne Beiträge zu einem Gesamtwerk zusammengefügt werden.
Im Westen, wo die Sonne untergeht, haben wir nun den Gipfel des Berges erreicht und können nun beginnen, die Früchte unserer Arbeit zu ernten.
Wir teilen sie mit anderen. Wir präsentieren den anderen unser Ergebnis.
Richtung Norden hin beginnt nun die Reflektion: Was habe ich gut gemacht? Was könnte ich verbessern, um ein besseres Ergebnis zu erreichen?
Unsere Arbeit wird nun reflektierend im größeren und kleineren Bild betrachtet: Können wir eine größere Vision für unser Projekt finden?
Was könnte im nächsten Entwicklungsprozess als nächstes folgen, um das Projekt noch weiter zu vervollkommnen.
Quellen: